„Streiten will gelernt sein“ lohnt sich für alle, die ihr Kommunikationsverhalten verbessern wollen. Besonders gut fand ich die Praxistauglichkeit und die Übungen zur Selbstklärung. Schwächer sind die recht simplen Grafiken. Seit 2020 nutze ich es in jedem Kurs und gebe 5 von 5 Sternen. Wer wissenschaftliche Tiefe sucht, greift besser zu Schulz von Thun: „Miteinander reden“.
Zu Beginn meiner Mediationspraxis suchte ich nach Methoden, mit denen ich Konfliktparteien das Zusammenspiel von Meinungen, Erfahrungen, Interessen, Bedürfnissen, Werten und weiteren Faktoren und deren Einfluss auf ihr Streitverhalten verdeutlichen konnte. Beim Stöbern in Tübinger Bibliotheken fand ich in „Streiten will gelernt sein“ und kaufte es antiquarisch. Seit 2020 nutze ich es in jedem meiner Kurse. Hier ist meine ehrliche Rezension.
In diesem Artikel bekommen Sie meine Beurteilung, konkrete Erfahrungen aus meinen Kursen und Beratungen und eine Entscheidungshilfe, ob das Buch zu Ihnen passt.
Was ist „Streiten will gelernt sein“ und für wen ist es gedacht?
„Streiten will gelernt sein“ ist ein Ratgeber für Menschen, die ihr Kommunikationsverhalten verbessern möchten, ob ganz allgemein oder im Hinblick auf einen bestimmten Streit. Akademisches Vorwissen braucht man dafür nicht.
- Titel und Autorinnen: Streiten will gelernt sein. Die kleine Schule der fairen Kommunikation, Simone Pöhlmann und Angela Roethe
- Format: Buch (Ratgeber)
- Umfang: 173 Seiten
- Link: keiner, das Buch ist nicht mehr lieferbar (ISBN 978-3-95474-110-6)
- Preis und Bezug: Ladenpreis 9,95 Euro, nicht mehr lieferbar, von mir antiquarisch gekauft
- Erscheinungsjahr: Erstausgabe bei Herder 2010, Neuausgabe bei AIRA 2013
- Meine Nutzung: seit 2020 in jedem meiner Kurse, außerdem in der Beratung und für mich selbst
- Offenlegung: antiquarisch gekauft, kein Affiliate-Link
Worum geht es in „Streiten will gelernt sein“?
Das Buch führt Schritt für Schritt durch ganz alltägliche Konfliktsituationen und erklärt, welche Mechanismen zu Streit führen und wie sie wirken. Zusätzlich erläutert es Kommunikationsmodelle und -psychologie, und zwar so verständlich, dass man sich als Leserin oder Leser wiederfindet. Zu den Themen gibt es viele Übungen, die erst die Theorie anwenden lassen und dann auf die eigene Situation übertragen. Zwei Themen sind für meine Arbeit besonders wichtig: die Selbstklärung und das aktive Zuhören.
Was hat mir an „Streiten will gelernt sein“ besonders gut gefallen?
Praxistauglich für alle
Man muss kein Akademiker sein, um das Buch zu verstehen. Den Einstieg bilden ganz alltägliche Konfliktsituationen oder Sätze, die jeder kennt und höchst wahrscheinlich angewendet hat.
Übungen in zwei Stufen
Zuerst wenden die Autorinnen die Theorie auf praktische Beispiele an. Dann kann der Leser das Gelernte auf seine eigene Situation oder seine eigenen Konflikte übertragen und so herausfinden, welche Bedürfnisse bei ihm in einer bestimmten Situation im Spiel waren.
Was bringt das Kapitel zur Selbstklärung?
Selbstklärung heißt, sich bewusst zu werden, welche Gefühle, Bedürfnisse, Erwartungen, Interessen, Prägungen, Glaubenssätze hinter Äußerungen und Reaktionen stehen.
Wie man lernen kann, diesen Mix zu entwirren und genau zu benennen, demonstrieren die Autorinnen ausführlich:
- Eine familiäre Konfliktsituation wird sachlich skizziert, mit Fokus auf den Ehemann und seine Gefühle.
- Die Gefühle werden auf einen Mix aus Bedürfnissen, Erwartungen, Meinungen, Hoffnungen und Prägungen zurückgeführt.
- Pro Aspekt erklären die Autorinnen, welcher Faktor maßgeblich ist und welches Gefühl er erzeugt.
- Eine Wortliste für Stimmungen und Gemütslagen liefert das Vokabular.
- Zwei weitere Alltagsbeispiele zeigen das Muster.
- Dann sind die Leserinnen und Leser dran: Sie versetzen sich in Situationen und beschreiben ihre Empfindungen.
Ich finde diese Entwirrung fundamental, denn diesen Ansatz bekommt man im Elternhaus nicht beigebracht. Zumindest gilt dies für das Gros, soweit ich das wahrnehme. Das Buch befähigt sich zu verdeutlichen, worauf ein Wunsch oder ein Gefühl beruht, und es stellt ein großes Vokabular zur Verfügung, mit dem man sich differenziert ausdrücken kann.
Aktives Zuhören zum Üben
In meiner Arbeit mit Klientinnen und Klienten ist das aktive Zuhören, das Verstehen wollen, immer ein zentrales Thema. Das Buch erklärt es sehr ausführlich, und anhand der Übungen lässt es sich gut praktisch umsetzen und vertiefen.
Was hat mir an „Streiten will gelernt sein“ nicht gefallen?
- Die Grafiken (Geschmackssache): Sie sind nach meiner Meinung recht simpel gestaltet. Dennoch erfüllen sie ihren Zweck.
- Nicht mehr lieferbar (echter Nachteil): Ich bedaure sehr, dass das Buch nicht mehr lieferbar ist. Gerade weil es für so viele Menschen brauchbar ist, finde ich es schade, dass man es nicht mehr einfach im Buchhandel bekommt. Ich habe es antiquarisch gekauft, mit der ISBN lässt es sich vielleicht auch für Sie gebraucht oder in einer Bibliothek finden.
Was habe ich für meine Arbeit als Mediatorin mitgenommen?
Das Buch hilft mir, Klientinnen und Klienten zu erklären, wie es zu ihrem Streit gekommen ist und welche Mechanismen während des Streits gewirkt haben. In meinen Kursen und Beratungen arbeite ich mit den Teilnehmern am Vokabular für Gefühle und Bedürfnisse und ich zeige ihnen, wie sie sich künftig konstruktiver miteinander auseinandersetzen können.
Für wen lohnt sich „Streiten will gelernt sein“, und für wen nicht?
- Lohnt sich für: Alle, die als ganz normale Menschen ihr Kommunikationsverhalten verbessern möchten, ob ganz generell oder bei Auseinandersetzungen.
- Lohnt sich nicht für: Menschen, die eine streng wissenschaftliche, sehr ausführliche Darstellung von Kommunikationsmodellen oder Kommunikationspsychologie suchen.
Wer wissenschaftliche Tiefe sucht, ist beispielsweise mit Friedemann Schulz von Thun, „Miteinander reden“ besser beraten.
Fazit: Wie bewerte ich „Streiten will gelernt sein“?
Ja, es lohnt sich, wenn Sie Handwerkszeug für faires Streiten suchen und kein Wissenschaftsbuch erwarten. Für mich ist es seit 2020 ein fester Bestandteil jedes Kurses: ein verständlicher, praxisnaher Ratgeber, den ich uneingeschränkt empfehle, auch wenn er nicht mehr lieferbar ist.
Seit 2020 setze ich „Streiten will gelernt sein“ in jedem meiner Kurse ein.“
| Kriterium | Bewertung | Begründung |
|---|---|---|
| Inhalt | ⭐⭐⭐⭐⭐ | Mechanismen, Kommunikationsmodelle, Selbstklärung und aktives Zuhören, alles auf den Alltag bezogen. |
| Verständlichkeit | ⭐⭐⭐⭐⭐ | Für alle geeignet, ohne akademisches Vorwissen. |
| Praxisnutzen | ⭐⭐⭐⭐⭐ | Zweistufige Übungen, die ich seit 2020 in jedem Kurs einsetze. |
| Preis-Leistung | ⭐⭐⭐⭐⭐ | Ladenpreis 9,95 Euro für ein Buch, das ich immer wieder nutze. |
Häufige Fragen zu „Streiten will gelernt sein“
Man versteht, welche Mechanismen im Streit wirken, und trainiert in zweistufigen Übungen, die Theorie auf die eigene Situation zu übertragen. Besonders wichtig sind für mich die Selbstklärung, also Gefühle und Bedürfnisse zu erkennen, und das aktive Zuhören.
Und wie! Man braucht kein akademisches Vorwissen und wird von alltäglichen Konfliktsituationen aus Schritt für Schritt mitgenommen.
Der Ratgeber deckt private und berufliche Kontexte ab. Die erläuterten Kommunikationstipps sind universell anwendbar.
Mir ist keine lieferbare Alternative bekannt, die mit dem rezensierten Buch vergleichbar ist. Wer eine findet, darf sie mir gern nennen.
Simone Pöhlmann und Angela Roethe. Die Erstausgabe erschien 2010 bei Herder, die Neuausgabe 2013 bei AIRA.
Dein nächster Schritt
Wenn Sie das Thema Selbstklärung anspricht, lesen Sie dazu meinen Artikel Selbstklärung: Gefühle und Bedürfnisse erkennen, bevor es kracht. Und wenn Sie das rezensierte Buch kennen: Schreiben Sie mir gern in den Kommentaren, welche Erfahrungen Sie damit gemacht haben.
Dieser Artikel hat Sie interessiert? Abonnieren Sie meinen Newsletter mit Hinweisen auf neue Blogartikel, Impulsen für Ihre Konfliktkultur und mit Einblicken in die Praxis.


Über mich: Assyriologin, Systemanalytikerin, Programmiererin. Seit 2019 arbeite ich als Mediatorin in Tübingen und verhelfe Parteien zu Klarheit über ihre Konflikte und zu kreativen Lösungen.
Bei Auseinandersetzungen sind Analyse und Struktur unerlässlich, doch je höher die emotionale Verstrickung, desto geringer die Lösungskompetenz. Ich weiß, wovon ich rede. Denn manchmal brauchen auch Mediatorinnen eine Mediatorin. Für mich ist das kein Widerspruch zu meinem Beruf. Es ist die logische Konsequenz aus allem, was ich in ihm gelernt habe. Mehr über mich erfahren Sie hier.