Der Monat April 2026 hatte einiges zu bieten – beruflich wie persönlich. Ich war als Vortragende im Stadtteiltreff Blaues Haus in Tübingen zu Gast und durfte dort über ein Thema sprechen, das mir sehr am Herzen liegt: Wie wir Konflikte angehen können, bevor sie überhaupt entstehen. Die lebhafte Diskussion mit den Anwesenden hat mich einmal mehr darin bestätigt, wie groß der Bedarf an präventiver Mediation ist, und wie offen die Menschen dafür sind, wenn man ihnen den richtigen Rahmen bietet.
Kurz darauf stand ein ganz anderes Thema auf dem Programm: Künstliche Intelligenz. Im AK Mediation Tübingen / Reutlingen habe ich meinen Kolleginnen und Kollegen berichtet, wie ich KI in meiner Arbeit einsetze, und wo ich noch Potenzial sehe.
Dazwischen fand ich Zeit für neue Blogartikel, Muße für eine Woche Dresden inklusive einer Vorstellung in der Semperoper, und für das Training für meine geplante Alpentour. Kurzum: ein Monat, der mich auf vielen Ebenen gefordert und bereichert hat.
Vortrag ‚Konflikte lösen, bevor Streit ausbricht‘

So lautete der Titel meines Impulsvortrags über präventive Mediation, den ich im Stadtteiltreff Blaues Haus in Tübingen hielt. Im monatlichen Gesprächskreis treffen sich Interessierte und debattieren, wie das Älterwerden im Quartier ausgestaltet werden soll. Mein Impulsvortrag zielt aufs Zusammenleben der Generationen und der Nachbarn. Was können sie im Vorfeld tun, dass es ein friedliches Miteinander bleibt?
Für wen sich präventive Mediation beispielsweise eignet
Konflikte lauern überall, z.B. zwischen den Generationen und zwischen Geschwistern. Soll der Vater weiterhin alleine leben und wer schaut in welchem Ausmaß nach ihm? Unter welchen Bedingungen erklärt er sich mit einer Pflegeeinrichtung einverstanden? Wie geht es mit der leeren Wohnung weiter? Und wer erbt den Familienschmuck?
Dies ist nur eine kleine Auswahl von Anlässen aus dem familiären Umfeld. Sie waren die praktischen Aufhänger, damit sich das Auditorium konkret vorstellen konnte, worum es ging. Zusätzlich hierzu kamen Anlässe, die sich aus nachbarschaftlichem Zusammenleben ergeben. Beispielsweise: wie nutzen wir Gemeinschaftsflächen? Wer übernimmt welche konkreten Aufgaben zur Hauswaltung und Instandhaltung? Welches Maß an Lärm tolerieren wir?
Vorteile präventiver Mediation
Die oben aufgeführten Fragen kann und sollte man im Vorfeld klären, weil:
– das Gestalten dieses Lebensabschnitts wichtig ist
– das Verhältnis zwischen Kindern und Vater gut bleiben soll
– das Verhältnis der Geschwister untereinander gut bleiben soll
– dräuende Konflikte belasten
– die Absprachen einfacher sind, wenn es noch keinen Streit gab
– man die Entscheidung reifen lassen kann
– man im Vollbesitz seiner Kräfte entscheiden kann
Ich stellte die Vorteile der Prävention und die Konfliktbearbeitung in Form einer Konfliktberatung für Einzelpersonen oder in Form einer Mediation vor. Daraus entspann sich eine lebhafte Diskussion mit den Anwesenden, die mit großer Offenheit persönliche Erlebnisse einbrachten, bei denen eine Mediation hilfreich gewesen wäre.
Damit Bewohner der Weststadt künftig oben skizzierten Fragen klären können, biete ich ehrenamtliche Unterstützung an. Die Anwesenden zeigten sich dafür aufgeschlossen und überlegten sofort, wer in ihrem Umfeld davon profitieren könnte.
Ein herzliches Dankeschön an die Veranstalterin Ulrike Stöhrer, die uns die Gelegenheit zum Austausch bot, und an die engagierten Diskutanten.
Vortrag ‚KI in der Mediation‘
KI boomt, auch in der Beratungsbranche. Ob und wie wir Mediatoren davon profitieren können, berichtete ich meinen Kolleginnen und Kollegen des AK Mediation Tübingen / Reutlingen. Anstoß für meine Präsentation war ein Vortrag Prof. Sascha Weigels vom Februar 2026, den er beim Bundesverband Mediation Campus am 03.02.2026 hielt.
Ist KI Ersatz oder Helfer des Mediators?
In Zeitschriften und Online-Medien finden lebhafte Diskussionen statt, ob und inweifern die maschinellen Helfer uns humane Helfer ersetzen können. Tatsächlich verwendeten 2025 laut Harvard Business Review die meisten Menschen, die KI benutzen, KI zur Therapie und zur persönlichen Begleitung. Auf kommerzieller Basis kann sich jeder von einer KI in einem Konflikt mediieren lassen.
Ich will an dieser Stelle die Vor- und Nachteile dieser Praxis nicht wiederholen. Doch man sollte sich vor Augen halten, dass eine KI auf Statistiken beruht und daher mit selteneren Fällen sowie mit neuen Fällen schlecht umgehen kann. Zudem dürfte ein menschlicher Experte besser als eine KI erkennen, ob sich der Klient selbst etwas vormacht. Allein die Körpersprache und die Veränderungen in der Stimme geben Menschen klare Hinweise auf Unstimmigkeiten.
Grundsätzlich muss jeder selbst entscheiden, ob und wie er sich zu KI positioniert und was er sich aus der Fülle von Anwendungsfeldern rund ums Mediieren und der Organisation des eigenen Unternehmens auswählt.
Anwendungsfelder für KI für Mediatoren
Weigel teilt die Bereiche folgendermaßen ein und gibt dafür jeweils Beispiele geeigneter KIs:

Grundsatzentscheidungen über technische KI-Strategie
Generell gibt es drei Strategien:
- Man arbeitet komplett in der Cloud. In diesem Fall eröffnet man einen Account bei einem Anbieter, z.B. OpenAI, und kann sofort anfangen. Die Verantwortung für die Programme, deren Updates und Verfügbarkeit, die Zugriffskontrollen usw. liegt vollständig beim Cloud-Anbieter. Man selbst fungiert als reiner Anwender.
- Man arbeitet über eine GPT-Vermittlerplattform. Die funktionieren vereinfacht gesagt analog zu Webseiten-Baukästen und sind für KI-Nutzer gedacht, die schnell Prototypen bauen oder iterative KI-Pipelines betreiben möchten, ohne tief in Codierung einzusteigenen.
- Man arbeitet on premise, d.h. auf einem lokalen Computer oder Netz. Dann ist man selbst für die gesamte technische Infrastruktur verantwortlich.
Der Datenschutz ist ein Themenkomplex für sich. Weigel streifte ihn in seiner Präsentation nur knapp, weswegen mir nicht ganz deutlich wurde, wie Datenschutz nach seiner Meinung umsetzbar ist. Für mich gilt in der Mediation höchste Diskretion. Daher sollte man sich intensiv mit dem Datenschutz auseinandersetzen, bevor man KI in Bereichen einsetzt, die persönliche Daten enthalten oder Rückschlüsse darauf ermöglichen.
Meine persönlichen Erfahrungen mit KI als Unternehmerin
Wie im Vortrag dargestellt gibt es KIs für die gesamte Palette von von Tätigkeiten eines Mediators. Angefangen von Büroorganisation über Marketing bis zur Vor- und Nachbereitung einer Sitzung.
Den größten Mehrwert sehe ich für mich in vier Bereichen:
- Beim Marketing
- Bei der Auswertung von anonymisierten Sitzungen
- Bei anonymisierten Selbstsupervisionen
- Beim Sparring zur Vorbereitung einer Sitzung. Hier prüft die KI das Verhalten des Mediators und trainiert ihn für künftige Sitzungen.
Ich selbst setze KI aktuell nur fürs Marketing ein, da ich hier das größte Potenzial für mich und mein Unternehmen sehe. Das Programm entwirft im Dialog mit mir einen Plan für strategisches Marketings. Wenn ich das alleine machen müsste, müsste ich viel Zeit für die Einarbeitung und für die konkrete Ausgestaltung einer Strategie für die nächsten drei Monate investieren. Mit KI gelang dies im Handumdrehen für meine Themen, die ich auf LinkedIn und Facebook poste. Vor zehn Tagen fiel der Startschuss zur Umsetzung der Strategie und nun beobachte ich vermehrte Reaktionen auf die Posts einerseits und erhöhte Klickzahlen auf meiner Homepage andererseits. Betonen möchte ich, dass jeder Text, den die KI entwirft, lediglich das Gerüst eines Posts darstellt, das ich gründlich überarbeite.
Was sonst noch los war
Blogartikel geschrieben
- Welche Rolle Gefühle bei Mediationen spielen
- Meine besten Tipps für eine lange und glückliche Partnerschaft
Etablieren der 80%-Regel
Im Jahresrückblick 2025 führte ich als Ziel für 2026 auf, dass ich meinen Perfektionismus ablegen möchte. Seither schraube ich meine Ansprüche runter und ermahne mich, dass 80% Perfektion genügen. Und ich fühle mich wohl damit.
Reise nach Dresden
Eine ganze Woche gönnte ich mir für Besichtigungen der Stadt und des Umlands. Einen Höhepunkt stellte der Besuch der Aufführung ‚La Traviata‘ in der Semperoper dar. Die Titelpartie sang überragend Adela Zaharia – was für eine Stimme! Musik, Bühnenbild, Gesang und Tanz bildeten einen einzigen Rausch für die Sinne. Wow!
Semperoper Foyer
Semperoper Treppenhaus
Blick auf die Bühne
Ein touristisches Muss sind der Zwinger und das Schloss mit ihren jeweiligen Kunstsammlungen. So reservierte ich Der Gemäldegalerie im Zwinger und dem Schloss mit den Grünen Gewölben widmete ich je einen Tag. Die ungeheure Fülle an Kunstschätzen hätte ich sonst nicht angemessen würdigen können. Zufällig trat eine Tanzgruppe im Kleinen Ballsaal auf, die in barocken Kostümen höfische Tänze aufführten.
Alte Meister Raffaels Madonna
Außenansicht des Schlosses mit Hausmannsturm
Renaissance-Innenhof mit Sgraffiti
Galerie Alte Meister
Wallpavillon
Den Kontrapunkt zur Oper verkörperte für mich die Besichtigung der Stasi-Gedenkstätte und des ehemaligen sowjetischen Gefängnisses. Hier erzählten ehemalige Gefangene von den Tagesroutinen, ihren Folterungen und Prozessen. Im Stasi-Gefängnis schlüpfte man in die Rolle eines soeben Verhafteten und erlebte die Aufnahmeprozeduren mit. Ich war heilfroh, dass ich das nicht als echte Gefangene miterleben musste.
Stasi-Gefängniszelle
Stasi-Gefängnis mit vergitterten Etagen
Zelle für 5 Personen
An Architektur hat Dresden neben den bereits aufgeführten weitere Sehenswürdigkeiten aus unterschiedlichsten Epochen zu bieten. Angefangen von barocken Wohnhäusern, durch die öffentliche Passagen in Hinterhöfe führen, in denen sich Kunsthandwerker angesiedelt haben. Oder der Kulturpalast aus DDR-Zeiten, der Hauptbahnhof, den Norman Foster modernisierte, oder die futuristisch gestaltete Gläserne Fabrik von VW. Aus der Gründerzeit stammt die originale Innendekoration des Käseladens Pfund. Einen vergleichbaren habe ich bislang nur in Buchara gesehen.
Und dann man es Spaß, einfach so durch die Stadt zu bummeln und sich treiben zu lassen, dabei Läden mit Mode der 50er Jahre und Cafés entdecken. Ein Abstecher ins Elbsandsteingebirge und eine Wanderung auf dem Malerweg standen ebenfalls auf meiner Liste. Und ich war wirklich begeistert!
Vorbereitung Alpentour
Hierfür habe ich meine Fitness verbessert. Aktuell tue ich das in zwei Varianten. Entweder jogge ich 4,2km / 760hm oder 8km / 360hm. Dieses Programm absolviere ich 2- 3 Mal pro Woche. Bis zum Sommer werde ich das Pensum natürlich noch steigern.

Über mich: Offen in die Zukunft. Dies ist mein Claim und Motto fürs Leben. Man hat seine Vorstellungen von der Zukunft und dann passiert das Leben. Es erfordert Anpassungen und Weiterentwicklung, es verleiht Impulse und überrascht. Ich fände nichts langweiliger als zu wissen, was ich in den nächsten Jahrzehnte erleben werde. Dieselbe Offenheit für die Zukunft bringen Klienten mit. Denn ihre Kreativität führt sie zu Lösungen, die sie sich vorher nicht vorstellen konnten. Mehr über mich erfahren Sie hier.













