Meine 3 wichtigsten Werte: Ehrlichkeit, Zugehörigkeit, Entwicklung

Veröffentlicht am Kategorisiert als Persönliches
Ulrike Wanner, Mediatorin, lächelt in die Kamera. Sie trägt eine schwarze Baskenmütze und einen orangefarbenen Pullover, stützt das Kinn in die Hand und sitzt draußen vor einem Holzlattenzaun.

Zuletzt überarbeitet am 9. September 2026

Die eigenen Werte herauszufinden, war für mich ein längerer Prozess. Herausgekommen sind Ehrlichkeit, Zugehörigkeit, Entwicklung. Dies sind die Leitplanken, an denen ich mein Verhalten und meine Entscheidungen ausrichte. Vor einem guten halben Jahr, mitten im Aufbau meiner Praxis, erhielt ich von ‚The Content Society‘ den entscheidenden Impuls zum Herausschälen meiner wichtigsten Werte. Der Online-Test von ‚Ein guter Plan‘ bot mir die passende, systematische Methode. Aus 72 Werten waren zuerst zwölf auszuwählen und dann auf drei einzugrenzen. Immer wieder dieselbe Abwägung: Ist mir das wichtiger? Oder das? Und dann war das Ergebnis plötzlich klar: Ehrlichkeit, Zugehörigkeit, Entwicklung.

Mit dieser Reihe fühlte ich mich zunächst nicht so recht wohl und fragte mich, ob das nicht ziemlich egoistische Werte für eine Mediatorin wären. Insgeheim hatte ich erwartet, etwas wie Empathie oder Akzeptanz würden ganz oben stehen, etwas, das sich eher aufs Gegenüber ausrichtet. Doch je länger ich das reflektierte, desto klarer wurde mir: Die gewählten Werte passen genau und wirken sich sehr wohl aufs Gegenüber aus. Genau das zu akzeptieren und öffentlich dazu zu stehen, war ein weiterer Schritt in meiner Entwicklung.

Ehrlichkeit

Ehrlichkeit mir gegenüber ist meine Basis für Zufriedenheit und erfülltes Leben. Ich erreiche es nur, wenn ich meine Bedürfnisse kenne und sie mir erlaube. Wenn ich sie anderen ehrlich mitteile, können wir immer zu Lösungen kommen. Haben ich und mein Gegenüber dieselben Bedürfnisse oder er positioniert sich zu meinen neutral, gibt es gar kein Problem. Widersprechen sich unsere Bedürfnisse, verhandeln wir, bis es für uns beide passt.

Beispielsweise schaue ich mir Ausstellungen sehr gerne sehr gründlich an. Mein Mann hat da meist viel früher genug als ich. Wir lösen das so, dass er solange ins Café geht, ich schaue in Ruhe weiter, dann treffen wir uns dort wieder. Bei größeren Unternehmungen halten wir es analog. Beispielsweise bin ich allein nach Dresden gereist, und mit einer Freundin auf eine mehrtägige Alpentour gegangen. Mein Mann und ich unternehmen gemeinsam das, womit er sich wohlfühlt, und das Zusätzliche mache ich allein oder mit anderen.

Im beruflichen Kontext erlebe ich das Prinzip Ehrlichkeit sehr unmittelbar. Sobald in einer Mediation die eigentlichen, oft lange vermiedenen Themen auf den Tisch kommen, fallen die Masken. Manchmal wortwörtlich: Ich habe erlebt, wie ein Familienvater nach vier Stunden Mediation vor neun Angehörigen in Tränen ausbrach, weil er endlich aussprach, was ihn seit Jahren belastete. Genau das brachte die Familie ihrer Lösung näher. Erst wenn Klienten offen sprechen, statt ihre Bedürfnisse aus Angst vor Ablehnung oder zum Erhalt der Harmonie zu verschweigen, kommen sie zu einer echten Lösung.

Ehrlichkeit Klienten gegenüber bedeutet auch, dass ich ihnen klar sage, wenn ich nicht die richtige Ansprechpartnerin bin. Habe ich das Gefühl, jemand bräuchte eher eine Therapie als eine Konfliktberatung, sage ich das offen. Genauso, wenn es rein um die Berechnung von Unterhaltszahlungen geht: Dafür bin ich nicht zuständig, das gehört in anwaltliche Hände.

Zugehörigkeit

Gemeinsames Erleben, sich gegenseitig unterstützen, miteinander Lachen und Weinen: Beziehungen leben macht für mich ein beglückendes Leben aus. Ohne Zugehörigkeit zu meinem Mann, meiner Familie, meinen Freunden wäre ich verloren. So gerne ich alleine verreise oder Ausflüge mache, so selbstverständlich halte ich täglichen Kontakt zu meinem Mann und tausche mich über meine Erlebnisse mit ihm aus.

Wir sind Teil einer festen Gruppe von Paaren, die reihum Spieleabende ausrichtet, alle drei Runden sind wir dran. Dann wird viel gespielt, viel gelacht, viel geschlemmt, und ich stelle mich für die Vorbereitung gerne einen halben Tag lang in die Küche. Einmal in der Woche treffen wir außerdem Freunde zum Französisch üben. Für solche und für spontane Momente mit lieben Menschen sind wir wieder nach Tübingen gezogen.

Mitglied in Intervisionsgruppen zu sein, mich dort mit Kollegen und Kolleginnen austauschen zu können, bedeutet mir viel. Denn in diesem Expertenkreis bekomme ich Rat, kann selbst welchen geben, kann mir aufwühlende Situationen bei Mediationssitzungen von der Seele reden. Ich brauche nichts zu erklären, man versteht, wovon ich rede. Als Kollegin und als Mensch.

Einmal, nach einer Teammediation, hatten meine Co-Mediatorin und ich die Sitzung zunächst als sehr gelungen erlebt, und auch die Medianten hatten das so zurückgemeldet. Dann kamen weitere Rückmeldungen, die genau das Gegenteil sagten. Um das einzuordnen und professionell damit umzugehen, war die Intervisionsgruppe genau der richtige Ort.

Entwicklung

Jeder ist seines Glückes Schmied, heißt es. Vielleicht nicht wörtlich jeder und nicht in dem Maß, in dem er sich das wünscht. Aber dass eine entscheidende Steigerung des Glücks durch eigenes Zutun möglich ist, kann ich bestätigen. Lange kannte ich in Konflikten nur zwei Muster: konfrontatives Vorgehen oder Rückzug, kämpfen oder verschwinden. Irgendwann hat mir mein Umfeld ziemlich deutlich gezeigt, dass sich daran etwas ändern muss. Manche Rückmeldungen dazu waren sehr unbequem, aber genau die haben mich in Bewegung gebracht und zur Entscheidung geführt, die Ausbildung zur Mediatorin zu absolvieren. Es war die beste Entscheidung meines Lebens und ein entscheidender Schritt in meiner persönlichen Entwicklung. Durch die Beschäftigung mit Kommunikationspsychologie und die Ausbildung lernte ich nach und nach neues Handwerkszeug: Vokabular, das nicht verletzt, Vorgehensweisen, die ein Gespräch öffnen statt es eskalieren zu lassen, und einen besseren Umgang mit meinen eigenen Emotionen. Am meisten motiviert haben mich die positiven Rückmeldungen auf mein verändertes Verhalten. Die Menschen reagierten spürbar anders auf mich, sobald ich anders auf sie zuging.

Diese Erfahrung möchte ich an meine Klienten weitergeben. Zum einen die konkreten Gesprächstechniken, zum anderen die Zuversicht, dass die Klienten ihre Reaktions- und Gesprächsmuster durch konstruktives Verhalten ersetzen können. Ich habe dieselben Schritte wie die Klienten durchlaufen. Besser bin ich deshalb nicht als sie, ich bin ihnen bei der persönlichen Transformation ein Stück voraus.

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Von Ulrike Wanner

Über mich: Assyriologin, Systemanalytikerin, Programmiererin. Seit 2019 arbeite ich als Mediatorin in Tübingen und verhelfe Parteien zu Klarheit über ihre Konflikte und zu kreativen Lösungen. Bei Auseinandersetzungen sind Analyse und Struktur unerlässlich, doch je höher die emotionale Verstrickung, desto geringer die Lösungskompetenz. Ich weiß, wovon ich rede. Denn manchmal brauchen auch Mediatorinnen eine Mediatorin. Für mich ist das kein Widerspruch zu meinem Beruf. Es ist die logische Konsequenz aus allem, was ich in ihm gelernt habe. Mehr über mich erfahren Sie hier.

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